Schiff "Mayflower" 1620 = 66 Tage
BAC/Sud-Aviation Concorde 1974 = 2 Std. 56 Min. 35 Sek. (London -New
York)
Reisezeiten für eine Atlantiküberquerung
Nach dem I. Weltkrieg waren tausende von neuen Bombern und Jagdflugzeugen
völlig wertlos und sie warteten alle auf den Schrotthändler. Man
mußte daher einen neuen Verwendungszweck für diese Flugzeuge finden.
Was lag daher näher als der Fracht- und Passagierverkehr. Die Royal
Air Force baute daraufhin einige DH4A-Maschinen zu Passagierflugzeugen um
und betrieb einen regelmäßigen Nachkriegs - Fluglinie - Passagier-
und Postverkehr zwischen London und Paris, vor allem für die Vertreter
der Versailler Friedenskonferenz.
In Frankreich wurde der ersten Fluggesellschaft Starthilfe geleistet,
und die Lignes Aeriennes Latecoere nahm am Weihnachtstag 1918 mit 14 Breguet
Maschinen auf einem Flug von Toulouse nach Barcelona ihren Betrieb auf. Doch
der erste Schritt in Richtung einer zivilen Luftfahrt mit
regelmäßigem Inlandflügen wurde im Januar 1919 in Deutschland
gemacht. Am 5.2.1919 gründete die Deutsche Luftreederei mit einmotorigen
AEG und LVG Doppeldeckern einen regelmäßigen Passagierverkehr
zwischen Berlin und Weimar, dem Sitz der Nationalversammlung der jungen dt.
Demokratie. Einen Monat später nahm Junkers mit einem modifizierten
J10 Bomber den Linienverkehr auf der gleichen Flugroute auf, der erste Flugdienst
mit einem Ganzmetallflugzeug.
In Frankreich wurde daraufhin die Compagnie des Messageries Aeriennes
(CMA) von Louis Bleriot, Henry Farman, Rene Caudron, Louis Renault, Robert
Morane und Louis Breguet mit 14 Breguet Maschinen gegründet. Der
Frachtverkehr und ein Linien-Passagierverkehr zwischen Paris und Brüssel
wurden aufgenommen.
Doch die umgebauten Kriegsflugzeuge hatte mit sehr vielen Nachteilen
zu kämpfen. Sie waren kalt und unbequem, und man riskierte wetterbedingte
Verspätungen oder sogar Abstürze. Außerdem waren die Flüge
teuer und kaum schneller als Bahn und Schiff. In Amerika hingegen war das
Eisenbahnnetz sehr gut ausgebaut so daß ein Markt für
Passagierflugzeuge so gut wie nicht bestand.
Es fehlte daher wieder ein Anreiz um die Begeisterung für die
Fliegerei zu entfachen. Da kam es genau richtig, daß man sich wieder
an den von Lord Northcliffe im Jahr 1913 ausgesetzten Preis über 10.000
Pfund für den ersten Direktflug über den Atlantik, erinnerte. Am
18. Mai 1919 startete der erste von vier Kandidaten, eine von Harry Hawker
und Lieutenant-Commander Kenneth McKenzie-Grieve geflogene Sopwith, von
Neufundland aus in Richtung Irland. Zwei weitere Piloten in einer schweren
Martinsyde folgten unmittelbar darauf, stürzten jedoch schon beim Start
ab.
Die
Spannung stieg beiderseits des Atlantiks als zuerst die Sopwith spurlos
verschwand und dann drei Curtiss NC-Flugboote der U.S. Marine, die in Etappen
flogen und somit gegen die Bedingungen des Wettbewerbs verstießen,
auf den Azoren anlangten. Eine Woche später wurden Hawker und
McKenzie-Grieve an Bord eines Schiffes gefunden und die drei Curtiss Maschinen
der U.S. Navy erreichten tatsächlich Portugal.
Am 14. Juni 1919 um 16:28 (von St. John`s) starteten daraufhin Captain
John Alcock und Lieutenant Arthur Whitten Brown mit einer schwer beladenen
Vimy und erreichten nach 15 Stunden und 57 Minuten schwierigen Flugs die
irische Küste, wo sie in einem Sumpf in der Grafschaft Galway notlandeten.
Ihr Empfang ließ sich mit der von Bleriots nach seiner
Kanalüberquerung zehn Jahre zuvor vergleichen; sie wurden als Helden
empfangen, Flugzeuge begleiteten ihre Zugfahrt nach London, und an jedem
Bahnhof jubelten ihnen die Menschen zu. Am nächsten Morgen wurden sie
von König Georg V in den Adelsstand erhoben.
Drei Wochen später überquerte das erste Luftschiff den Atlantik
- die brit. R34, die in 108 Stunden von Schottland nach New York flog -,
doch damit war nur bewiesen, daß die Motorflugzeuge in puncto Schnelligkeit
und Steuerbarkeit von nichts überboten werden konnten. Daraufhin setzte
der australische Premierminister Willim Hughes 10.000 Pfund für den
Ersten aus, der von London nach Australien flog. Im November nahmen die
australischen Brüder Keith und Ross Smith, ehemalige RAF Piloten, diese
Herausforderung in einer Vimy an. Am 10. Dezember erreichten Sie, nach einem
schwierigem Flug über 17.900 Km zum größtem Teil unbekannten
Gegenden, unter großem Beifall Darwin; auch diese beiden wurden geadelt.
Im selben Monat wurde von dem südafrikanischen Oberstlieutenant
Pierre van Ryneveld und Christopher Q. Brand mit drei Vimys und einer DH-9
eine Route, von London nach Kapstadt eröffnet. Diese Fernflüge
zeigten nur die Möglichkeiten für die Zukunft aber kürzere
Routen waren praktikabler und in Deutschland wurde daher in diese Richtung
der Kurs bestimmt. Der Versailler Vertrag verbot ihnen den Bau von
Kriegsflugzeugen, doch Länder und Städte boten Prämien für
Firmen, die Zivilflugzeuge entwickelten. Sieben Flugzeuge für den
Zivilverkehr starteten 1919, sechs weitere im Jahre 1920.
Auch in Frankreich wurde der zivile Flugverkehr unterstützt.
Jede der acht im Jahr 1920 aktiven Fluglinien hatte ihren eigenen Flugbereich
in dem sie konkurrenzlos waren. 1924 hatte Frankreich schon Flugverbindungen
zu 12 Ländern, und das Konzept der staatlichen Luftlinien hatte sich
bewährt. In Großbritannien hingegen verschwanden die Fluglinien
fast ganz, da sie ohne staatliche Unterstützung auskommen mußten.
Hierzu zählten die Air Transport and Travel, Handley Page und Instone
Airlines die im Februar 1921 ihren Betrieb ganz einstellten. Hierauf wurde
dann im Jahre 1924 die unabhängigen Fluglinien zu der Imperial Airlines
zusammengeschlossen und die Regierung unterstützte diese. (1926 wurden
in Deutschland mit dem Zusammenschluß der Aero Lloyd und Junkers die
Deutsche Lufthansa gegründet)
Es gab zwar vielerorts von der Royal Air Force eingerichtete Flugfelder
aber neue Routen für den Zivilverkehr einzurichten war doch etwas anderes.
Zum Glück fand Imperial dafür den enthusiastischen und risikofreudigen
Piloten Alan Cobham, der drei große Reisen durch das brit. Weltreich
unternahm und die Massen mobilisieren konnte. Tausende applaudierten, als
er nach einem Hin- und Rückflug nach Australien im Oktober 1926 mit
seinem Wasserflugzeug wieder auf der Themse landete. Hierfür wurde auch
er geadelt und erhielt eine Prämie.
Diese Begeisterung führte natürlich auch dazu, daß
in anderen Kolonialreichen Fluglinien entstanden. Die holländische KLM
wurde 1919 gegründet, ebenso SNETA, die Vorläuferin der belgischen
Nationallinie Sabena. Und in Frankreich nahm Latecoere - "die Linie" wie
sie von den Piloten genannt wurde, eine Luftpostlinie nach Südamerika
auf.
Auch andere große Leistungen des Langstreckenflugs fallen in
diesen Zeitraum. Im Mai 1923 unternahmen Kelly und MacReady, Lieutenants
der U.S. Armee, in einer Fokker T-2 den ersten Nonstopflug quer über
den amerikanischen Kontinent, 4,048 km in 26 Stunden und 50 Min.; zwischen
April und September 1924 gelang zwei Douglas-World-Cruiser Doppeldecker der
U.S. Armee die erste Weltumrundung - 44.200 km in 15 ½ Tagen -, und
von Juli bis September 1926 flogen zwei Junkers G25 von Berlin nach Peking
und zurück.
Ein weiterer Wettkampf war der Flug zum Nordpol. 1897 hatten drei
Schweden bereits den Versuch unternommen in mittels eines Ballons von Spitzbergen
aus zu erreichen. Der norwegische Polarforscher Roald Amundsen verfehlte
ihn 1925 um 290 km und unternahm im folgenden Jahr einen zweiten Versuch
mit dem italienischen Luftschiff "Norge". Diesmal hatte er aber Konkurrenz
durch den amerikanischen Lieutenant-Commander Richard Byrd in einem Fokker
F.VIIa-3m Prototypen. Byrd überflog den Pol am 9. Mai 1926, zwei Tage
bevor Amundsen mit der Norge an diesem eintraf.
Die nächsten Zeichen sollte Amerika setzen. Fast seit den
Anfängen der Luftfahrt hatte Europa den Weg gewiesen, aber 1927 trat
das Land der Gebrüder Wright, wieder mit aller Macht in das Rampenlicht.
Sein Triumph sollte es einem einzigen, stillen, bescheidenen Mann - Charles
Lindbergh - verdanken.
Am 14. Juni 1919 erhob sich ein viel
zu schwer beladener brit. Vickers - Vimy - Bomber mit Captain John Alcock
und Lieutenant Arthur Whitten Brown in den Himmel über Neufundland und
war bald in Wolken und Nebel verschwunden. Außerstande, sich zu
orientieren, mit schadhaftem Geschwindigkeitsmesser, gingen sie bald in den
Sinkflug, und Alcock konnte die Maschine gerade noch 30 Meter über den
Wellen abfangen, In Schnee, Graupel und Hagel überflogen sie die irische
Küste bei Clifden in der Grafschaft Galway und landeten mit der Nase
in einem Sumpf.
Hier sieht man die Brüder Keith
und Ross Smith vor ihrer Vickers Vimy. Sie flogen mit dieser von London nach
Darwin und erhielten hierfür die ausgesetzten 10.000 Pfund der australischen
Regierung.
Alan Cobham (hier beim Vorbeiflug vor
dem Big Ben), der zuvor schon mit einem Hin- und Rückflug von London
nach Kapstadt Aufsehen erregt hatte, trifft nach seinem 42.965 km Flug nach
Australien und zurück am 1. Oktober 1926 wieder in London ein und wassert
mit seiner DH-50 auf der Themse gegenüber dem Parlamentsgebäude.
Doch ohne seinem Freund und Kopiloten Arthur Elliot, den beim Flug über
den Irak ein Beduine erschossen hatte.
Der Konkurrent Richard E. Byrd, beim
Wettflug zum Nordpol, am Start. Am 7. Mai 1926 überflog er als erster
den Pol, in einer dreimotorigen Fokker-Maschine, die er nach der Tochter
seines Geldgebers Henry Ford benannt hatte. Zwei Tage darauf langte das
Luftschiff Norge mit Amundsen auf ihrem Weg nach Alaska am Pol an.
In den 20er Jahren blickten alle
europäischen Luftlinien neidisch nach Deutschland. In deutschen Maschinen
gab es erstmals im April 1925 Filmvorführungen an Bord. Es waren nur
Kurzfilme, und natürlich waren sie stumm - was nur gut war, denn der
Motorenlärm hätte jeden anderen Ton erstickt. Außerdem waren
die Mahlzeiten und Bedienung auf dem Lufthansa Flugexpress von Berlin nach
Wien unerreicht. |