"Jeder Tag haben wir nun versucht, zu unserem Lager, elf Meilen entfernt,
aufzubrechen, aber vor dem Zelt herrscht immer noch ein Wirbelsturm. Ich
glaube nicht, daß wir noch irgendetwas erhoffen können. Wir werden
durchhalten bis zum Schluß, aber wir werden natürlich
schwächer... Es ist schade, aber ich glaube, ich kann nicht mehr
weiterschreiben. In Gottes Namen, seht nach unseren Leuten."
29. März 1912 Robert Scotts letzter Tagebucheintrag
Nachdem Byrd erfolgreich den Nordpol überflogen hatte und in
die USA zurückkehrte, befaßte er sich sogleich mit der Planung
einer Expedition zum Südpol. Bei der Eroberung der Antarktis konnte
man sicher auch auf die zuvor erbrachten Erkenntnisse aus der Erforschung
der Arktis bauen und schließlich wurde es auch von Männern in
Angriff genommen die die arktischen Regionen auch kannten: Byrd, Eielson und
Wilkins. Sir Hubert Wilkins plante, mit der finanzieller Unterstützung
des Verlegers Hearst, eine Expedition die an erster Stelle wissenschaftlichen
Zwecken diente und eine geographische bzw. kartographische Erfassung des
Gebietes zwischen Deception Island und dem Rossmeer mit einschloß.
Wilkins entschloß sich hierbei für zwei Lockheed Vega Flugzeuge
und Eielson sollte ihm als Pilot dienen.
Die Vegas wurden hierzu eigens mit wärmedämmenden Material
für die Kabinenwände versehen und sollten entweder Kufen oder Schwimmer
verwenden. Per Schiff wurden die Flugzeuge nach Deception Island gebracht,
wo das Basislager errichtet werden sollte. Ein zweiter Stützpunkt, von
Tasmanien aus versorgt, wurde bereits an der Bay of Whales eingerichtet.
Am 19. Dezember 1928 startete Wilkins und Eielson von Deception Island aus
zu einem Aufklärungsflug von 2000 km Länge in Richtung Graham Land
südlich von Feuerland. Am 10. Januar 1929 wurde ein Gebiet von 800 km
rund um Deception Island erkundet. Leider konnten sie aber keine geeigneten
Platz für eine Dauereinrichtung finden, den sie für den Flug zum
Südpol brauchten, und so flogen sie wieder in die USA zurück. Byrd
erreichte am 24. Dezember 1928 den Rand des Ross-Schelfeises und konnte dort
bereits fünf Tage später sein Basislager Little America einrichten,
unweit von Amundsons früherem Lager bei Franheim. Seine Expedition bestand
aus zwei Schiffen, 60 Männern und vier Flugzeugen (ein kleine GAC mit
110 PS, eine Fairchild und Fokker mit je 425 PS sowie eine Ford Tri-Motor
mit 1000 PS).
Am 28. Januar 1929 flogen Byrd, Balchen (er hatte auch schon bei der
Nordpol Expedition mitgemacht) sowie der Funker Harold June mit der Fairchild
einen fünfstündigen Erkundungsflug um den Mount Nunataks und Mount
Alexandra (beide wurden von Scott entdeckt) zu erforschen. Am 19. und 20.
Februar starteten die Fairchild und Fokker zum Rockefeller Range um Luftbilder
zu machen und das Gebiet (wurde auf den Namen Mary Byrd Land getauft)
östlich der Bay of Whales zu erforschen. Bei der Erkundung des Rockefeller
Range am 16. März gerieten der Geologe Larry Gould, Balchen und der
Funker Hansen in einen starken Sturm und mußten 200 km entfernt vom
Hauptlager notlanden. Am 18. März wurden sie von Byrd und June entdeckt
und am 22. März trafen sie wieder in Little America ein. Während
der folgenden Monate waren die Expeditionsmitglieder durch den antarktischen
Winter im Lager eingeschlossen und befaßten sich daher mit der Entwicklung
der Aufnahmen oder der Planung des Fluges zum Pol. Am 17. Oktober konnten
dann die Schlitten, die Kraftstoff und Vorräte zu einem rund 700 km
südlich von Little America entfernten Tanklager brachten, aufbrechen
und Byrd, Dean Smith, Harold June und Ashley Mc Kinley das Tanklager für
den Rückflug vom Pol einrichten. Die Ford Tri-Motor benötigte
dieses Lager für den Rückflug, weil sie nicht genügend Traglast
aufwies, um die vier Männer einschließlich Proviant und Treibstoff
für den Hin- und Rückflug zu transportieren.
Am 07. November waren die Flugzeuge endlich aus ihrem
Schneegefängnis befreit und so konnte Byrd am 28. November 1929 um Uhr
15:29 mit der Ford Tri-Motor "Floyd Bennett" in Richtung Südpol
aufbrechen. Die Startmasse betrug 6.800 kg, und die Besatzung bestand aus
Byrd (Navigator), Balchen (Pilot), June (Funker) und Mc Kinley
(Beobachter/Fotograf). Nach dem Abwurf von Material für einen vorgeschobenen
Vermessungstrupp, erreichten sie das Queen-Maud-Gebirge. Hier mußten
sie aber mit Erschrecken feststellen, daß sie zu schwer waren um das
Gebirge zu überfliegen. Eine schwere Entscheidung wurde getroffen und
sie warfen drei Säcke mit Vorräten (Proviant für drei Monate)
ab um ein Bergjoch von 4500 Meter Höhe überfliegen und den Flug
über das Hochplateau von 3000 Meter Höhe weiterfliegen zu können.
Bryd erreichte den Südpol nach nicht einmal 10 Stunden und umflog diesen
in einem weiten Kreis, wurf die amerikanische Flagge ab, und machte sich
auf den Rückflug. Nach dem kurzen Auftanken im Tanklager erreichte das
Flugzeug Little America nach 18 Stunden und 41 Minuten Abwesenheit
(Gesamtstrecke 2.500 km) um 10:10 Uhr am 29. November 1929. Während
der ganzen Expedition standen die mobilen und stationären Einheiten
im ständigen Funkkontakt und selbst zur Außenwelt stand das Basislager
in Funkkontakt. Obwohl bei dieser Expedition keine Menschenleben ums Leben
kam, verloren während dieser Zeit zwei nicht beteiligen Personen in
der Antarktis ihr Leben. Fast zum gleichen Zeitpunkt als Byrd den Südpol
erreichte, kam Ben Eielson, der zuvor Wilkins flog, und sein Mechaniker Eark
Borland ums Leben. Sie wollten am 09. November 1929 einem an der sibirischen
Küste, südlich der Wrangel-Insel, im Eis eingeschlossen Schiff
zu Hilfe eilen und starten zu einem Rettungflug von Teller in Alaska aus.
Erst Im Januar 1930 entdeckte ein sowjetischer Rettungstrupp das
verunglückte Flugzeug und seine halb von Schnee zugewehten Insassen.
Carl Ben Eielson und Sir Hubert Wilkins
vor ihrer Lockheed Vega.
Commander Richard E. Byrd hält
den Sonnenuhr-Kompass in seinen Händen mit dem er zahlreiche
wissenschaftliche Studien anstellte.
Der zerstörte Eindecker von Eielson
und Borland vom sibirischen Schnee halb zugedeckt - so fanden ihn der
Rettungstrupp, der mit den zwei beiden Schneeflugzeugen nach ihnen suchte.
|